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Einsatz arbuskulärer Mykorrhizapilze beim Anbau der in vitro vermehrten Heilpflanze Baptisia tinctoria (L.) R. Br.

 

Carolin Grotkass1, Imke Hutter1, Götz Harnischfeger2 und Falko Feldmann1

 

 

Die Wurzeldroge Baptisiae tinctoriae Radix (Immunmodulator ESBERITOXÒ) stammt auch heute noch zum großen Teil aus Wildsammlungen. Wegen der Hartschaligkeit der Samen von Baptisia tinctoria erfolgte eine Inkuturnahme der Heilpflanze und der Feldanbau im kommerziellen Maßstab erst, nachdem die in vitro Kultur an der Universität Hamburg, Institut für Angewandte Botanik, entwickelt werden konnte. Die Pflanzen werden heute von dem Biotechnologie-Unternehmen Institut für Pflanzenkultur über Sproßkulturen steril vermehrt, und nach einer Akklimatisierungsphase im Gewächshaus in die mehrjährige Feldkultur überführt.

 

Wie in vielen in vitro Kultursystemen, ist die Akklimatisierungsphase im Gewächshaus schwierig und verlustreich. Die zuvor steril angezogenen Mikrostecklinge sind während der Umstellung auf unsterile Erdsubstrate besonders empfindlich gegenüber allen biotischen und abiotischen Stressoren, was zu hohen Ausfallraten führt. Eine verfahrenstechnische Minderung der Ausfallrate ist energieaufwendig, kostenintensiv und oft nur unter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln möglich. Vor diesem Hintergrund erschien die Integration symbiontischer Mikroorganismen mit ihren potentiell Streß-mindernden Wirkungen als ein sinnvoller Weg, zu ökonomischen Vorteilen und umweltschonenden Verbesserungen der Akklimatisierunsverfahren zu gelangen.

 

Während die Einbringung von Rhizobien in die Akklimatisierungsphase mittlerweile als effektive Maßnahme im Kulturverfahren fest etabliert ist (Keller et al. 1997), soll in einem jüngst begonnenen und von der ´Deutschen Bundesstiftung Umwelt´ geförderten Projekt herausgefunden werden, ob arbuskuläre Mykorrhizapilze in der Lage sind, die Qualität der Mikrostecklinge von B. tinctoria in der Akklimatisierungsphase in der Weise zu steigern, daß nicht nur geringere Ausfälle während der Ausgewöhnung, sondern auch später im Feld zustandekommen.

 

Während der ersten Phase des Projektes wurde ein an die Belange der Heilpflanze angepaßtes Inokulum des Mykorrhizapilzes Glomus etunicatum  im eigenen Betrieb hergestellt. Erste Versuche mit B. tinctoria zeigen, daß mit einer Verminderung der Ausfallrate von mindestens 16% bei gleichzeitiger Steigerung der Biomasseproduktion gerechnet werden kann.

 

Geeignete kommerzielle Inokula arbuskulärer Mykorrhizapilze werden in Europa nur von wenigen Produzenten angeboten. Eine Qualitätskontrolle der Inokula fehlte bis vor kurzer Zeit noch völlig (Feldmann 1998). In Deutschland bildete sich 1996 die Interessenvertretung „Anwendung arbuskulärer Mykorrhizapilze in der Praxis“, die mittlerweile vom Institut für Pflanzenkultur koordiniert wird. Dieser Interessenvertretung gehören sowohl Inokulumproduzenten als auch Substrathersteller, Vertreter von Universitäten, Lehr- und Versuchsanstalten und Fachberater an. Ergebnisse aus Projekten wie dem hier vorgestellten werden in Arbeitssitzungen erörtert und ihre Konsequenzen für den praktischen Einsatz arbuskulärer Mykorrhizapilze in Kultursystemen abgeschätzt.

 

 

Zitierte Literatur:

Lieberei, R., Harnischfeger, G. und J. Hagen (Hrsg.) 1997: Angew. Bot. (Hamburg) Ber. 6: 175 S.

Keller, M., Barros und F. Feldmann 1997: Angew. Bot. (Hamburg) Ber. 6: 140 – 151.

Feldmann, F. 1998: Symbiontentechnologie in der Praxis, Thalacker Medien 85 S.

 

 

1Institut für Pflanzenkultur, Solkau 2, D-29465 Schnega

 (hier auch Kontakt zur Interessenvertretung „Anwendung arbuskulärer Mykorrhizapilze in der Praxis“

 

2Schaper & Brümmer GmbH & Co. KG, Bahnhofstr. 35, D-38531 Salzgitter